Frauenkataloge – sind wir nicht alle austauschbar?

Tinder ist ja so eine Sache… Die einen finden es viel zu oberflächlich, andere haben dort ihre große Liebe gefunden. Die einen treffen sich nur für Sex, andere wollen einfach nur mal wieder ein Date nach längerer Dating-Pause. Die einen liken alles, was passabel erscheint, andere durchforsten das komplette Profil nach Informationen. Was aber genau unterscheidet Tinder aber von unserem alltäglichen Leben?

Nichts! Oder zumindest nicht viel. Dazu eine kleine Geschichte von letztem Wochenende.

Ich war mit ein paar Freunden in einem Club – 90er Jahre Party. Es wurde gelacht, zu den Backstreet Boys und Britney Spears getanzt, Gin Tonic und Bier getrunken und geflirtet. Ich mag das alles, liebe es zu tanzen und flirten macht mir Spaß. Die Wahrnehmung der eigenen Person im Spiegel des Gegenübers zu betrachten ist spannend, auch wenn sie meist nicht dem eigenen Bild entspricht. Dort war also dieser Typ, groß, gute Figur, schöne Augen. Unsere Blicke trafen sich immer wieder beim tanzen, er tanzte in meine Richtung und stellte sich als Max vor. Später lief ich dann direkt in ihn hinein, als ich wegen einem sehr coolen Song auf die Tanzfläche stürmte und er sagte: „Ah, dich wollte ich eh gerade auf einen Drink einladen.“ Ich vergaß den Song und wir gingen zur Bar, er kaufte zwei Bier (musste sich dafür aber erst einmal Geld bei seinem Kumpel holen) und wir gingen an die frische Luft, er wollte eine rauchen. Wir unterhielten uns, ich merkte erst jetzt wie betrunken er tatsächlich schon war. Das Gespräch war ok, nichts besonderes. Also suchte ich auch bald darauf meine Freunde um weiter mit ihnen zu tanzen.

Der Club und vor allem die Tanzfläche waren nicht groß, man sah also immer wieder die gleichen Personen, darunter natürlich auch Max. Also konnte ich auch beobachten, wie er jede andere Frau auf der Tanzfläche anmachte, zu jeder anderen Frau genauso war wie zu mir. Und das ist der Punkt, bei dem ich sage, dass Tinder nichts neues ist, dass das Prinzip Tinder im Alltag angewendet wird. Und Max war das beste Beispiel dafür. Er war an diesem Abend der „ich-like-alles-Typ“, nur eben im echten Leben, denn er redete jede Frau an. Manche ließen ihn links liegen, andere, und darunter würde ich mich selbst zählen, ließen sich auf ihn ein, ein Stück weit zumindest.

Bei Tinder passiert nichts anderes. Man bekommt ein Match, wird angeschrieben und antwortet vielleicht. Man flirtet, auch wenn es online ist, bekommt dann vielleich offline ein Bier ausgegeben. Der kleine, aber doch feine Unterschied dabei: wir wissen zwar alle, dass der Gematchte nicht nur mit einem selbst schreibt, sondern nebenbei noch zehn Chatfenster gleichzeitig offen hat, aber es ist weniger offensichtlicht. Ich merke nicht, kann nicht beobachten und bekomme nicht genau mit, wer die anderen Frauen sind. Und das will man doch auch nicht wissen! Ich will nicht offensichtlich austauschbar sein…

…auch wenn wir es doch alle irgendwie sind!

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